Konica FS-1

Konica FS-1

Die FS-1, 1979 auf den Markt gebracht, war eine revolutionäre Neuheit. Als erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt verfügt sie über einen eingebauten Motor für den Filmtransport. Heutzutage weit verbreitet, war diese Eigenschaft 1979 sensationell.

Ende der 70er Jahre ging der Trend sehr stark in Richtung elektronisch gesteuerte Kameras – sie waren günstiger herzustellen und man versprach sich davon genauere Verschlusszeiten und genauere Belichtungsmessung. Die FS-1 war die erste Konica-Spiegelreflexkamera mit elektronisch geregeltem Verschluss – bis auf die interner LinkTC-X, die von Cosina für Konica gebaut wurde, gab es danach von Konica keine mechanisch gesteuerten Spiegelreflexkameras mehr.

Mit dem Einzug der Elektronik ins Kameragehäuse hat sich auch bei Bedienung einiges geändert. Das Verschlusszeiten-Einstellrad ist leichtgängiger und hat keinen Anschlag mehr. Es kann in jeder Richtung endlos weitergedreht werden. Von B auf 1/1000 s ist es nur ein Rastpunkt. Auslöser und Selbstauslöser sind keine mechanischen Knöpfe mehr, sondern elektrische Taster, der Auslöser benötigt nur noch eine sanfte Berührung fast ohne Druck, so dass die Verwackelungsgefahr äußerst gering ist. Dadurch kann andererseits an einer FS-1 (und den nachfolgenden Modellen außer der TC-X) aber kein normaler Drahtauslöser mehr verwendet werden. Hierfür ist ein elektrischer Fernauslöser aus dem Konica-Zubehör notwendig, der in den Anschluss auf der rechten Seite des Kameras eingeschraubt wird.

Im Sucher der FS-1 hat sich gegenüber den mechanischen Vorläufern viel geändert. Er ist sehr hell und klar, die Mattscheibe ist ausgestattet mit Schnittbildentfernungsmesser und Mikroprismenring. Die Anzeige der Blendenwerte geschieht nicht mehr über einen Zeiger auf einer Skala, sondern über Leuchtdioden, die Anzeige ist außerdem vom rechten an den linken Rand des Sucherbildes gewandert. Auch wenn die LEDs nur ganze Blendenstufen anzeigen können, der Belichtungsmesser verarbeitet auch Zwischenwerte und die Kamera stellt diese Zwischenwerte im Automatikbetrieb auch korrekt am Objektiv ein. Alle Warnanzeigen für Über- oder Unterbelichtung, leere Batterie, manuelle Belichtungssteuerung usw. funktionieren ebenfalls über Leuchtdioden.

Mit Einführung der FS-1 wurde der mit dem Belichtungsmesser gekuppelte Bereich ausgeweitet, so dass die kleinste einstellbare Blende 22 statt 16 wie bei den mechanischen Modellen beträgt. Voraussetzung dafür ist natürlich die Verwendung eines entsprechenden Objektivs, dass auch über eine kleinste Blende 22 verfügt. Nach Einführung der FS-1 wurden die Konica-Hexanon-Objektive nach und nach entsprechend umgestellt.

Die FS-1 verfügt über eine frühe Form der Blitzsteuerung. Bei Verwendung des Systemblitzes Konica X-24 stellt sich die Kamera automatisch auf eine Belichtungszeit von 1/100 s und auf die am Blitz eingestellte Blende ein – je nach Stellung des Schalters am Blitzgerät entweder auf Blende 5,6 oder 11. Die Belichtung wird über einen Thyristor am Blitzgerät gesteuert, der das Blitzgerät nach Auftreffen der für korrekte Belichtung benötigten Lichtmenge abschaltet. Nach dem Auslösen geht die Kamera automatisch in den Normalbetrieb, bis das Blitzgerät meldet, dass es wieder bereit ist, danach wird die Belichtungssteuerung der Kamera wieder vom Blitzgerät übernommen. 1979 war diese Lösung sehr fortschrittlich, aber für anspruchsvolle Blitzaufgaben ist sie nicht brauchbar. Hier ist man mit manueller Blitzsteuerung (ohne Konica-Systemblitz jederzeit möglich) besser bedient, da man doch deutlich mehr Einflussmöglichkeiten auf das Ergebnis hat. Für korrekt belichtete Schnappschüsse auf der Familienfeier reicht die Blitzsteuerung der FS-1 aber allemal. Ein gravierender Nachteil des X-24 auf einer FS-1 ist aber, dass der Blitz zu nahe an der optischen Achse des Objektivs sitzt – dadurch gibt es auf vielen Fotos rote Augen.

Geradezu genial ist das mit der FS-1 neu eingeführte Filmeinlegesystem. Patrone in die Kamera einlegen, Filmlasche herausziehen bis auf die andere Seite, Rückwand schließen – fertig. Die Kamera greift automatisch den Filmanfang und spult vor bis zum ersten Bild. Einfacher und schneller geht es nicht. Ganz ohne lästiges Gefummel. Das System ist praktisch narrensicher, um den Film falsch einzulegen, muss man schon absichtlich was falsch machen. Dieses System war seinerzeit einmalig.

Die Rückwand der FS-1 ist austauschbar – allerdings gab es keine anderen Rückwände als Zubehör, soweit ich nachvollziehen kann.

Die FS-1 war nur in schwarz erhältlich.

Anders als die mechanischen Vorläufer verwendet die FS-1 keine Quecksilberoxidbatterien mehr. Die Stromversorgung wird von vier handelsüblichen AA-Alkali-Manganbatterien übernommen, die problemlos überall erhältlich und recht günstig sind. Nach Konica-Angaben reicht ein Satz Batterien für ca. 15 Filme mit je 36 Aufnahmen, in der Praxis habe ich teilweise deutlich mehr Filme mit einem Batteriesatz belichtet. Ohne Batterie macht eine FS-1 aber überhaupt nichts mehr, bei Batterieversagen kann nicht mehr fotografiert werden. Also immer daran denken, ein Paket frische Batterien einzustecken!

Ebensowenig sollte man vergessen, die Batterien bei Nichtbenutzung aus der Kamera zu nehmen. Leere AA-Batterien laufen gerne aus, die dadurch entstehende Korrosion an den Kontakten kann zur Unbrauchbarkeit der Kamera führen.

Problematisch kann es bei großer Kälte werden: die Batterien verlieren dann sehr viel an Leistung, bis hin zum Versagen der Kamera. Für dieses Problem gab es von Konica ein pfiffiges Zubehörteil, das interner LinkRemote Battery Pack for FS-1 – über ein längeres Kabel ist ein Batteriefach mit 4 AA-Batterien von der Kamera entkoppelt und kann in eine warme Innentasche der Jacke gesteckt werden.

Der größte Schwachpunkt der FS-1 ist die Elektronik – sie ist recht anfällig, immer wieder werden FS-1 mit defekter Elektronik angeboten. So eine Kamera ist ein Totalschaden – neue Teile gibt es nicht mehr, eine Reparatur ist meistens nicht möglich.

Soweit mir bekannt, gab es im Laufe der Zeit drei unterschiedliche Ausführungen der Elektronik in der FS-1. Diese unterschiedlichen Versionen sind äußerlich nicht zu unterscheiden, eine Unterscheidung kann lediglich über die Seriennummern vorgenommen werden – und da gibt es Unsicherheiten. Als grober Anhaltspunkt wurde in der externer LinkYahoo! KonicaSLR-Mailingliste genannt:

Die Elektronik der FS-1 ist nicht besonders gut gesichert – die FS-1 reagiert z. B. sehr empfindlich auf die Verwendung ungeeigneter Batterien. Vorsicht vor wiederaufladbaren Akkus, besonders vor Nickel-Cadmium- (NiCd-) Akkus! Sie können durch etwas abweichende Spannung und dadurch auftretende stärkere Ströme zur Zerstörung der Kameraelektronik führen! Dies gilt für alle FS-1, unabhängig von der Version.

1983 wurde die FS-1 vom verbesserten Nachfolgemodell interner LinkFT-1 abgelöst.

Eine Warnung:

Die Kupplung für die Übertragung der Blendenwerte ist an den elektronischen Kameras der »F«-Serie (interner LinkFS-1, interner LinkFC-1, interner LinkFP-1 und interner LinkFT-1) anders gebaut, die mechanisch beanspruchten Teile sind schwächer ausgelegt als an den mechanischen Kameras der »Autoreflex«-Serie. Dies kann nach einer immer wieder zu hörenden Aussage in Verbindung mit den Adaptall-2-Anschlüssen von externer LinkTamron-Objektiven zu starker Abnutzung der Teile an der Kamera führen und kann den Blendenübertragungsmechanismus der Kamera auf Dauer zerstören.

Grund für die übermäßige Abnutzung ist wohl die kräftige Federspannung der Tamron-Adapter, der neuere Anschluss der »F«-Serie wird dadurch übermäßig beansprucht. Vermutlich wurde das Problem erst offensichtlich, nachdem Konica den Bau der Spiegelreflexkameras eingestellt hatte, auf jeden Fall hat Tamron die Adaptall-2-Anschlüsse nicht mehr abgeändert.

Bei gelegentlicher Nutzung von Tamron Adaptall-2-Adaptern an den Kameras der »F«-Serie passiert meistens nichts - ich selbst habe früher etliche Fotos mit meiner FS-1 und Tamron-Adaptall-2-Objektiven gemacht ohne dass Schäden aufgetreten sind. Bei häufigem Gebrauch können aber auf längere Sicht Schäden an der Kamera auftreten.

An allen mechanischen Konica-Spiegelreflexkameras können die Tamron Adaptall-2-Anschlüsse bedenkenlos verwendet werden.

Änderungen gegenüber dem Vorgängermodell Autoreflex T4:

Die FS-1 ist eine vollständige Neukonstruktion, die mit dem Vorgängermodell technisch nichts gemein hat und sich auch äußerlich stark von der interner LinkAutoreflex T4 unterscheidet. Sie hat einen eingebauten Motor, längere Verschlusszeiten bis zu 2 s, als kleinste Blende 22 sowie vollkommen andere Bedienelemente. Der Selbstauslöser funktioniert ebenso wie der Auslöser elektronisch – leider ohne die bei den mechanischen Selbstauslösern der Vorgängermodelle vorhandene Spiegelvorauslösung. Die FS-1 und alle späteren Konica-Modelle haben keine Abblendtaste für die Schärfentiefevorschau mehr.

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